Pisa-Sieger:"Traditionelle Schule beschämt"
VON CLAUDIA LAGLER (Die Presse) 17.07.2006
Interview. Die Ex-Direktorin der deutschen Pisa-Siegerschule über ihr Erfolgskonzept.
SALZBURG. Der deutsche Erfolgstrainer Jürgen Klinsmann wäre ein idealer Schulleiter. Davon ist die Pädagogin Enja Riegel überzeugt. Sie war langjährige Direktorin der Helene-Lange-Schule in Wiesbaden, die beim Pisa-Test als beste Schule Deutschlands abschnitt. Er nützte seine Macht im positiven Sinn, motivierte das Team und glaubte an die Leistung seiner Mannschaft. Vertrauen geben und Mut machen seien Grundvoraussetzungen, damit Schule gelingen könne, erklärte Riegel im Gespräch mit der "Presse".
Zu warten, bis der Staat das Schulsystem umkremple, bringe nichts. "Jede Schule kann sich auf den Weg machen und sich so verändern, dass die Schüler Freude am Lernen haben, die Lehrer gerne hingehen und die Leistungen stimmen", ist Riegel überzeugt. Dass es funktioniert, hat die Pädagogin mit der Helene-Lange-Schule gezeigt. Aus einem von der Schließung bedrohten Gymnasium wurde durch mutige Reformen eine integrierte Gesamtschule, die beim Pisa-Test 2001 quer durch alle Fächer mit den besten Leistungen Deutschlands überzeugte.
Was macht die Schule anders? Kontinuität, Verlässlichkeit und Überschaubarkeit sind für Riegel entscheidend. Jeweils sechs bis acht Pädagogen übernehmen einen Jahrgang für die gesamte Schulzeit. Die Jahrgänge werden nicht nach Leistungsgruppen getrennt. Hochbegabte und sehr schwache Schülerinnen und Schüler sitzen gemeinsam in der Klasse und lernen voneinander. Wiederholen von Klassen gibt es nicht.
Die Lehrkräfte müssen auch Fächer unterrichten, für die sie keine Spezialausbildung haben. "Die Schüler sehen, dass auch ihre Lehrer noch lernen müssen. Das spornt an und steigert die Leistung", sagte Riegel. Im Unterricht spielen mehrwöchige, fächerübergreifende Projekte, das Theaterspielen oder Praktika in Betrieben oder im Sozialbereich eine größere Rolle als das enge Korsett eines Lehrplans.
Wichtiger als Faktenwissen ist für Riegel, dass die Schüler das Lernen lernen. "Wenn Schüler schwach sind, dann ist die traditionelle Schule für sie eine kontinuierliche Kette von Beschämungen", weiß Riegel aus Erfahrung. Sie will mit ihrem Konzept Mut machen und den Kindern und Jugendlichen die Sicherheit geben, dass sie etwas erreichen können.
Rankings wie Pisa findet Riegel sinnvoll. Doch sie warnt auch vor Gefahren, die solche Vergleiche bergen: Es könne dazu führen, dass Lehrer nur mehr auf solche Tests hin unterrichten, um gut abzuschneiden. "Das tötet die Kreativität und erzeugt ein Klima von Angst", sagte Riegel. Die Schulen sollten ihre Ergebnisse erfahren, aber nicht öffentlich bloßgestellt werden.
Geht es um Schulreform, dann nennt Riegel den Pisa-Sieger Finnland mit der Gesamtschule, die sie selbst lieber als "Gemeinschaftsschule" bezeichnet, als großes Vorbild. Alle Kinder bis zum 14. oder 15. Lebensjahr gemeinsam zu unterrichten, fördere die Leistungen und sei außerdem einer Demokratie angemessen.
Interview. Die Ex-Direktorin der deutschen Pisa-Siegerschule über ihr Erfolgskonzept.
SALZBURG. Der deutsche Erfolgstrainer Jürgen Klinsmann wäre ein idealer Schulleiter. Davon ist die Pädagogin Enja Riegel überzeugt. Sie war langjährige Direktorin der Helene-Lange-Schule in Wiesbaden, die beim Pisa-Test als beste Schule Deutschlands abschnitt. Er nützte seine Macht im positiven Sinn, motivierte das Team und glaubte an die Leistung seiner Mannschaft. Vertrauen geben und Mut machen seien Grundvoraussetzungen, damit Schule gelingen könne, erklärte Riegel im Gespräch mit der "Presse".
Zu warten, bis der Staat das Schulsystem umkremple, bringe nichts. "Jede Schule kann sich auf den Weg machen und sich so verändern, dass die Schüler Freude am Lernen haben, die Lehrer gerne hingehen und die Leistungen stimmen", ist Riegel überzeugt. Dass es funktioniert, hat die Pädagogin mit der Helene-Lange-Schule gezeigt. Aus einem von der Schließung bedrohten Gymnasium wurde durch mutige Reformen eine integrierte Gesamtschule, die beim Pisa-Test 2001 quer durch alle Fächer mit den besten Leistungen Deutschlands überzeugte.
Was macht die Schule anders? Kontinuität, Verlässlichkeit und Überschaubarkeit sind für Riegel entscheidend. Jeweils sechs bis acht Pädagogen übernehmen einen Jahrgang für die gesamte Schulzeit. Die Jahrgänge werden nicht nach Leistungsgruppen getrennt. Hochbegabte und sehr schwache Schülerinnen und Schüler sitzen gemeinsam in der Klasse und lernen voneinander. Wiederholen von Klassen gibt es nicht.
Die Lehrkräfte müssen auch Fächer unterrichten, für die sie keine Spezialausbildung haben. "Die Schüler sehen, dass auch ihre Lehrer noch lernen müssen. Das spornt an und steigert die Leistung", sagte Riegel. Im Unterricht spielen mehrwöchige, fächerübergreifende Projekte, das Theaterspielen oder Praktika in Betrieben oder im Sozialbereich eine größere Rolle als das enge Korsett eines Lehrplans.
Wichtiger als Faktenwissen ist für Riegel, dass die Schüler das Lernen lernen. "Wenn Schüler schwach sind, dann ist die traditionelle Schule für sie eine kontinuierliche Kette von Beschämungen", weiß Riegel aus Erfahrung. Sie will mit ihrem Konzept Mut machen und den Kindern und Jugendlichen die Sicherheit geben, dass sie etwas erreichen können.
Rankings wie Pisa findet Riegel sinnvoll. Doch sie warnt auch vor Gefahren, die solche Vergleiche bergen: Es könne dazu führen, dass Lehrer nur mehr auf solche Tests hin unterrichten, um gut abzuschneiden. "Das tötet die Kreativität und erzeugt ein Klima von Angst", sagte Riegel. Die Schulen sollten ihre Ergebnisse erfahren, aber nicht öffentlich bloßgestellt werden.
Geht es um Schulreform, dann nennt Riegel den Pisa-Sieger Finnland mit der Gesamtschule, die sie selbst lieber als "Gemeinschaftsschule" bezeichnet, als großes Vorbild. Alle Kinder bis zum 14. oder 15. Lebensjahr gemeinsam zu unterrichten, fördere die Leistungen und sei außerdem einer Demokratie angemessen.

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